Schöne Bilder?

Nein, das muss nicht sein. Obwohl es durchaus um Schönheit geht. Ihr wisst schon... das Auge des Betrachters. Es sieht sie - oder sieht sie nicht. Da, wo ich Schönheit sehe, halte ich sie fest und meist bleibt sie da, wo ich sie gefunden habe.

Einzelheiten

Details, Kleinigkeiten, Unwichtiges, Nebensächliches, Unscheinbares.

Das Große, Schöne und Imposante ist dazu bestimmt, bestaunt und auf jeden Fall wahrgenommen zu werden. Der Betrachter kann gar nicht anders. 

Doch das Besondere sind die Einzelheiten, die Zutaten, die ein Bauwerk, ein Möbelstück oder eine Straßenecke bilden. Das ist wie die Entschlüsselung eines Rätsels oder eines Geheimnisses. Man muss nichts tun, um es zu entdecken, es ist da.

Ein gammeliger Kleinstadtbahnhof hat wunderschöne Einzelheiten, die mich für Wartezeit entschädigen und Geschichten oder Fragmente davon aus Linien, Farben und Formen entstehen lassen. Manchmal erkenne ich diese erst Tage, nachdem ich sie fotografiert habe.

Es ist meine Art, die Dinge zu betrachten: Sie in Einzelheiten zu zerlegen, die sie manchmal völlig unabhängig von ihrem eigentlichen Daseinszweck machen. Durch ein Bild, das das Ganze aus dem Zusammenhang reißt, ändere ich diesen Zweck nicht. Ich schaffe auch keinen neuen - ich sehe ihn nur nicht.

Erinnerung und Hoffnung passen gut zusammen. Das Schöne geht irgendwie weiter und das Schwierige auch. Aber es geht weiter. Dafür bleibt aber auch nichts.

Das Kind an der Hand der Mutter. Sie gehen beide durch die Pforte zur großen weiten Welt. Alter Bilder in meinem Kopf ergänze ich. Bin groß geworden. Nichts ist mehr so, wie es war und ich genieße die Veränderung. Die Hand ist noch da.

Dieser Bahnhof ist alt, klein, dreckig und er stinkt seit jeher nach Urin. Eine Pforte ist er immer noch und nie weiß ich, wo es hingeht.

Gassi gehen

Ich bin so lange nicht gegangen. Nur wenn es sein musste. Es tat weh, körperlich, und ich bekam Angst vor dem Gehen. Jetzt kann ich es wieder. Ich kann es genießen und mich freuen. Danke, lieber Hund!

Das Grüne in der großen Stadt. 

In Köln gibt es mehr Möglichkeiten, mit Baumbegleitung zu spazieren, als in so mancher Kleinstadt. Von unserem Zuhause aus ist es nicht weit und wir sind im Wald, im Park, am See oder auf weiten Wiesen.

Wir gehen durch den Klettenbergpark in den Beethovenpark, von dort aus  über die Gleueler Wiese zum Decksteiner Weiher. Breite Spazierwege oder kleine Pfade, der alte Adenauer hat was hinterlassen, an dem Elise und ich uns jeden Tag freuen.

Das Wien

2.4.

Nichts, das nicht schon irgendjemand beschrieben hätte. Oder bestaunt. Oder genossen. Sozusagen kalter Kaffee. 

Für mich jedoch ist dieser Kaffee gerade erst aufgebrüht, vorsichtig der erste Schluck geschlürft.

 

Hier ist es schwierig, Einzelheiten, schöne Tristesse oder wirklich Hässliches zu finden. Alles entweder wunderschön, hübsch, kitschig oder wirklich langweilig. Ich habe die kleinen, schmutzigen Geheimnisse noch nicht gefunden.

 

Vielleicht bin ich aber auch zu zufrieden und glücklich hier. Hier gibt es nichts, das mich nervt oder anödet. Ich habe keine Schmerzen (!) bin nicht ungeduldig oder verzweifelt. Meine Güte!

 

3.4.

Sissi, Museum kunsthistorisch, Lippizaner… Das Wien ist wohl ganz es selbst. Und ich auch. Die Worte find ich aber nicht, die das beschreiben können. Genau wie im letzten Jahr und alles anders.

 

4.4.

Schon wieder viele Schritte. Viel gesehen, viel gedacht und in jeder Hinsicht genossen. Auch wenn es weh tut in den Füßen und im Gesamtgebälk.

 

Unglaublich viele Worte im Kopf und im Mund. Overdose. Werde länger brauchen, um zu verdauen.

 

Bin zutiefst zufrieden, inspiriert, sehr neidisch auf Menschen mit einem leichten Zugang zum Wien. Ich bin müde. 14.082 Schritte!

Der Rückweg - ich fahre regelmäßig mit dem Zug, um meine Mutter zu besuchen. Die Zeit zwischen Start und Ziel ist geprägt von Augen-Blicken... aus dem Fenster, während des Wartens, beim Gehen. Oft hindern die Gedanken mich daran, wirklich etwas zu erkennen. Aber wenn ich sehe, ohne zu denken, sehe ich diese vielen schönen Einzelheiten. Das ist dann meine optische Belohnung für das Rumstehen in der Kälte.

Wien oben

Für einen kurzen Moment ist das Licht schön, sind die Linien in Harmonie und ich halte die Luft an, um nichts zu verwackeln. Total kitschig.
 
Das kurze, nur sekundenlange Gefühl, aus dieser Welt entkommen zu sein, ist gut.
Vor mir die unbekannte bewunderte Stadt, hinter mir Gespräche und Gläserklirren.
 
Ich dazwischen. Lasse für diesen Bruchteil der Zeit ein Vakuum entstehen, das nur ich sehe, in dem nur ich mich befinde und das es so nie wieder geben wird. 
 
Ich mache mir keine Gedanken um Ästhetik oder touristische Dokumentation. Ich suche in der Bewegung und wenn es einrastet, drücke ich auf den Knopf.

2010/2011

Meine erste kleine Digitalkamera - ich habe sie Miss Fine genannt - hat mir vor acht Jahren große Lust aufs Ausprobieren gemacht.

Ein neuer Blickwinkel, zu dunkel, zu hell, scharf, unscharf - was ist eigentlich gut an einem guten Foto und ist das nachprüfbar? Ich habe es bis heute nicht ganz rausgefunden.

Vor vielen Jahren habe ich Grafik-Design studiert und dabei natürlich viel über Schönheit, Proportionen und Kreativität gelernt... und mich für einen anderen Beruf entschieden.

Doch die Möglichkeit des schnellen Bildes hat mir die Freude an der Gestaltung wiedergegeben. Ich habe mit Miss Fine vieles ausprobiert. Das meiste davon ist im digitalen Orkus gelandet, doch ein paar dieser Bilder aus 2010/2011 sind aus meiner Sicht ein gutes Ab-Bild dieser Zeit.

Ein Fisch und ich begegnen uns in Wien. Er lebt in einem Aquarium, gebaut in einen alten Hochbunker für Flakgeschütze aus dem zweiten Weltkrieg. Die Hitze eines Krieges gekühlt mit Umengen von Wasser und friedlichen Tieren. Früher fand ich Fische langweilig, irgendwie nichtssagend. Doch jetzt mag ich sie sehr und sehe sie mir gerne an. 

Dieser Fisch fand mich wohl öde oder hat mich eher gar nicht wahrgenommen. Ich habe den Anblick seiner schimmernden Schuppen genossen und mich sehr darüber gefreut.

Nach Tagen voller Unsicherheit, Sorgen, Trauer, Labilität und Liebe ist es der Beton, ist es das Metall und ist es die Farblosigkeit, die stärkt, beruhigt und Mut macht. Anspruchslos und sicher.

Manchmal helfen sogar Farben nicht. Der Herbst ist wunderschön, selbst wenn er uns mit Blumen trösten will. Ich muss mich verabschieden. Da helfen klare Linien. Es ist alles geregelt und um die Schnörkel kümmere ich mich später. Vielleicht im Frühling.